International Potato Tour 2026: Dialoge in Tiflis und globale Perspektiven
MODERATOR: Viktor Kovalev (Globaler Markt und Strategie)
PROJEKT: International Potato Tour 2026
TEILNEHMER:
Kristof Wallays — Agristo
Irakli Kordadze — Frixx
Peter Van Dael – Roger & Roger (Marke Croky)
In Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, fand ein Treffen statt, das weit über ein gewöhnliches Interview hinausging. Es entwickelte sich zu einem offenen und ehrlichen Dialog zwischen Vertretern verschiedener Segmente der globalen Kartoffelindustrie – der Verarbeitung, der regionalen Wirtschaft und internationaler Akteure.
Markengeschichten: Hinter jedem Namen steckt eine Strategie
Das Gespräch begann mit einer einfachen Frage nach Firmennamen und entwickelte sich schnell zu einer Diskussion über Unternehmensphilosophie.
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Die Geschichte Agristo Das zeigte, wie Zufälle die Zukunft einer Marke prägen können. Das Unternehmen hieß ursprünglich Agrigel, musste sich aber umbenennen, nachdem es ein anderes französisches Unternehmen mit demselben Namen entdeckt hatte. Was zunächst wie eine Herausforderung aussah, wurde zum Wendepunkt. Heute Agristo ist ein global agierendes Unternehmen, dessen Unternehmenskultur auf der Idee der „Kartoffelfanatiker“ basiert – Menschen, die eine wahre Leidenschaft für Kartoffeln haben.
Die Marke Croky ist ein Paradebeispiel für emotionales Marketing. Ein Papagei, der einst am Eingang der Fabrik der Gründer lebte, wurde zum Symbol der Marke und prangt seit Jahrzehnten auf den Verpackungen, wodurch eine einzigartige und einprägsame Markenidentität entstand.
Frixx verkörpert eine neue regionale Philosophie. Der Name vereint Freiheit und Andersartigkeit – Menschen, die Grenzen überschreiten und anders denken. Die Marke positioniert sich als regionaler Marktführer im Kaukasus und unterstreicht ihre Herkunft und Identität durch das Bild des Kaukasusgebirges.
Weltmarkt: Überproduktion und unvermeidliche Korrektur
Eines der zentralen Themen war die weltweite Überproduktion von Kartoffeln.
Laut Kristof Wallays ist die Branche in den letzten Jahren rasant gewachsen. Die Produktionskapazitäten wurden ausgebaut, die Anbauflächen vergrößert und die Erträge in vielen Regionen waren hoch. Dies führte zu einem klassischen Ungleichgewicht – das Angebot überstieg die Nachfrage.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage weltweit weiter. Der Überschuss hat jedoch zu einem deutlichen Preisverfall geführt.
Peter Van Dael fügte hinzu, dass der Markt stark zyklisch sei. Die extrem hohen Preise der vergangenen Saisons hätten die Landwirte dazu veranlasst, mehr Kartoffeln anzubauen, was letztendlich zu einem Überangebot und den heutigen niedrigen Preisen geführt habe. Die Branche bewege sich nun von einem Extrem ins andere.
Der Kaukasus-Fall: Überleben in einem volatilen Markt
Der georgische Markt lieferte ein klares Beispiel dafür, wie regionale Dynamiken die Branche beeinflussen.
Irakli Kordadze hob mehrere Schlüsselfaktoren hervor.
Erstens besteht eine starke Abhängigkeit von Exportmärkten. Die Nachfrage aus Nachbarländern, insbesondere aus Russland, beeinflusst die Preise unmittelbar. Sinkt die Nachfrage, folgt der Inlandsmarkt schnell.
Zweitens: Vertragslandwirtschaft als Instrument des Risikomanagements. Frixx arbeitet mit Landwirten auf Basis langfristiger Verträge, oft bis zu vier Jahre, mit Festpreisen zusammen. Dies ermöglicht es den Landwirten, ihre Produktion zu planen, Kosten zu kontrollieren und Unsicherheiten zu reduzieren.
Drittens bleibt die Lagerung eine große Herausforderung. Viele Landwirte nutzen immer noch veraltete Lager ohne ausreichende Belüftung oder Klimatisierung. Dadurch gehen erhebliche Mengen an Kartoffeln während der Lagerung verloren, insbesondere gegen Ende der Saison.
Technologie: Von manuellen Prozessen zu künstlicher Intelligenz
Ein weiteres wichtiges Thema war die Automatisierung und die digitale Transformation.
Peter Van Dael beschrieb, wie künstliche Intelligenz bereits in der Verarbeitung eingesetzt wird. Kameras analysieren geschälte Kartoffeln, und das System passt den Schälprozess automatisch anhand von Echtzeitdaten an. Dies steigert die Effizienz, reduziert Abfall und gewährleistet eine gleichbleibende Produktqualität.
Wichtig ist, dass diese Technologien keine Menschen ersetzen, sondern eine der größten Herausforderungen der Branche angehen – den Mangel an Fachkräften.
Die zentrale Erkenntnis: Der Markt muss gesteuert, nicht befolgt werden.
Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen der Diskussion war einfach, aber aussagekräftig:
Niemand weiß genau, wie viele Kartoffeln die Welt braucht.
Dieser Mangel an genauen Daten führt zu Instabilität. Landwirte reagieren auf vergangene Preise, Verarbeiter auf die aktuelle Nachfrage, und das gesamte System operiert mit begrenzter Koordination.
Folglich gehört die Zukunft denen, die mit Daten, Prognosen und Lieferkettenmanagement arbeiten können.
Die Zukunft der Branche: Drei wichtige Richtungen
Die Diskussion hob drei wichtige Trends hervor, die die Zukunft prägen werden:
Vertragslandwirtschaft zur Stabilisierung der Einkommen der Landwirte
Moderne Speichertechnologien zur Reduzierung von Verlusten und zum Ausgleich des Angebots
Digitalisierung und KI zur Steigerung von Effizienz und Qualität
Darüber hinaus wurde die Saatgutproduktion als eines der strategisch wichtigsten und vielversprechendsten Segmente für einen langfristigen Erfolg identifiziert.
Eine neue Phase der International Potato Tour
Nach dem Kaukasus geht das Projekt in eine neue Phase über.
Zu den nächsten Reisezielen gehören der russische Ferne Osten, Kamtschatka, Sachalin, Wladiwostok und Sibirien.
Diese Phase ist nicht nur eine Reise, sondern eine umfassende Erkundung neuer Regionen mit Fokus auf Klimapotenzial, Logistik, Verarbeitungskapazität und Zukunftschancen für die Kartoffelindustrie.
Fazit
Das Treffen in Tiflis hat deutlich gezeigt, dass sich die Kartoffelindustrie an einem Wendepunkt befindet.
Es geht nicht mehr nur um Landwirtschaft. Es ist ein komplexes System, in dem globale Märkte, Technologie, Logistik und Strategie aufeinandertreffen.
Und genau durch offene und ehrliche Dialoge wie diesen wird die Zukunft der Branche gestaltet.
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