Nach den großen geographischen Entdeckungen des 15. Jahrhunderts prägte die weltweite Verbreitung von Nutzpflanzen die menschliche Zivilisation nachhaltig. Die Kartoffel ist eines der bekanntesten Beispiele dafür. In den vergangenen 500 Jahren erlebte sie dramatische Wendungen: Sie wurde wegen ihrer angeblichen Giftigkeit und der Ähnlichkeit ihrer Knollen mit aussätzigen Gliedmaßen verleumdet und jahrhundertelang als Armenspeise abgetan. Heute jedoch hat die Kartoffel die Welt erobert und ist die viertwichtigste Nutzpflanze weltweit. Diese faszinierende Geschichte ist umfassend in „Die Weltgeschichte der Kartoffel“ von Berthold Laufer (1874–1934), dem renommierten deutsch-amerikanischen Anthropologen und Sinologen, dokumentiert. Gestützt auf Originalquellen und Forschungsergebnisse aus Dutzenden von Ländern zeichnet Laufer systematisch den Weg der Kartoffel von ihrem Ursprung in den Anden bis zu ihrer turbulenten globalen Verbreitung nach.
Laufer, den der Gelehrte Xu Zhuoyun als einen der wenigen großen Sinologen des 20. Jahrhunderts bezeichnete, untersucht in seinem Werk nicht nur botanische und landwirtschaftliche Aspekte, sondern auch das paradoxe kulturelle Erbe der Kartoffel. Die Knolle rettete die Menschheit vor Hungersnöten, wurde aber gleichzeitig für Lepra, Bodenvergiftung und sogar für Weltkriege durch Bevölkerungswachstum verantwortlich gemacht. Das Buch enthüllt die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Kartoffel an unterschiedliche Klimazonen – von den hochgelegenen Andenplateaus (bis zu 14,000 Meter) bis hin zu Küstenebenen – sowie ihre bemerkenswerte Sortenvielfalt: von etwa 60 bekannten Sorten in Frankreich im Jahr 1815 bis zu fast 1,000 heute. Reich illustriert und gut verständlich, gilt „Die globale Geschichte der Kartoffel“ als grundlegendes Werk der globalen Pflanzengeschichte.